Sobald wir wissen, was uns bewegt, bewegen wir uns auch

Catharina Bruns

Catharina Bruns ist Gestalterin und leidenschaftliche Unternehmerin. Sie ist die Gründerin von workisnotajob. und Co-Gründerin von supercraft, Lemon Books und superwork.

Die Idee zu »workisnotajob.« entstand aus dem Wunsch heraus, sich einen eigenen Arbeits- und Lebensstil zu schaffen – jenseits von Jobs und Fremdbestimmung. Um diese persönliche Haltung zur Arbeit und einem neuen Unternehmerum geht es auch in dem von Catharina geschriebenen und illustrierten Buch, “work is not a job”,  erschienen am 10. September 2013 im Campus Verlag.

workisnotajob_Buch

Ich habe Catharina zu ihrem Buch und dem neuen Deal mit der Arbeit ein paar Fragen gestellt.

Am Anfang Deines Buchs work is not a job steht der unvollendete Satz „Arbeit ist…“ Wie würdest Du diesen Satz vervollständigen?

Arbeit sehe ich als wichtigstes Gestaltungsmittel für ein unabhängiges, schöpferisches Leben. Über meine Arbeit habe ich die Möglichkeit mich als Mensch auszudrücken, und gleichzeitig mein Umfeld und damit ein Stück weit die Gesellschaft mitzugestalten.

Der Aspekt der Selbstverwirklichung, und zwar im tatsächlichen Sinne des Wortes – nämlich etwas von sich selbst Wirklichkeit werden zu lassen – sich zuständig zu machen und sich damit auch in die Verantwortung zu nehmen, der Welt etwas Positives hinzuzufügen, steckt in dem von mir gelebten Arbeitsbegriff.

Du sprichst von einem neuen Deal mit der Arbeit und einer neuen Arbeitskultur. Kannst Du kurz beschreiben, was Du damit meinst?

Ich glaube wir sind an einem Punkt gekommen, an dem wir Arbeit grundsätzlich neu denken müssen. Das ein „neuer Deal“ sich für viele Menschen als notwendig erweisen könnte, hat bereits Lynda Gratton in ihren Studien zur Zukunft der Arbeit prognostiziert. Ich meine zudem, dass die Fixierung auf das Angestelltsein speziell in Deutschland, die Probleme der Arbeitsgesellschaft nicht löst. Ich frage mich, warum so wenig Menschen sich verantwortlich fühlen, das Unternehmen selbst zu gründen, in dem sie gerne arbeiten würden. Warum schaffen sich so wenig fähige, gut ausgebildete Leute nicht ihre Arbeitsmodelle selbst? Dazu muss man nicht unbedingt Akademiker sein, die Möglichkeiten dazu waren nie so vielfältig, die Zeit noch nie so reif. Wir müssen weg vom typischen Angestelltendenken und hin zu mehr Eigenständigkeit, damit die Ausgestaltung des Arbeitsplatzes nicht vollkommen den Unternehmen überlassen ist. Solange die Selbstständigkeit hier nur als Notlösung gesehen wird und Unternehmertum negativ besetzt ist, sind wir von einer wirklich neuen  Arbeitskultur weit entfernt – wir sehen ja wie der Fortschritt der Technik uns nicht nur mehr Freiheiten bringt, sondern von Firmen auch genutzt wird um uns für ihre Zwecke zu optimieren, zu kontrollieren und als „menschliche Ressource“ perfekt einzugliedern. Was dem entgegen steht sind starke Persönlichkeiten, die wissen warum und mit wem sie etwas gestalten wollen. Die Selbstständigkeit als Haltung wird in der Zukunft der Arbeit für alle wichtiger. Welche Arbeitskultur möchte ich durch mein Tun fördern? Diese Frage kann sich jeder stellen.

Sinn hat mein Leben, auch ohne dass ein Unternehmen mir Arbeit gibt – ich muss den substanziellen Sinn meiner Arbeit selbst erkennen und leben. Sobald wir wissen, was uns bewegt, bewegen wir uns auch. Von dieser simplen Wahrheit haben wir uns leider kollektiv entfernt. Damit Arbeit also einen „Sinn“, der über den reinen Zweck hinausgeht bekommt, müssen wir Gestalter werden und wissen, was uns bewegt.

Wie wichtig sind in dem Zusammenhang Haltung, Werte und eine klare Positionierung?

Eine Haltung zu haben, seine eigenen Werte zu kennen und sie zu leben ist für das Finden und Leben einer persönlich sinnstiftenden Aufgabe unerlässlich. Alles was abseits davon ist, ist auch abseits der „wahren Arbeit“. Die Kenntnis darüber ist aber nicht Vorraussetzung für eine Karriere in der Unternehmenswelt. Wer jedoch „Unsinn“ langfristig nicht hinnehmen kann (und das ist normalerweise bei jedem authentischen Menschen so) sollte Stellung beziehen und beginnen zu führen, gleich ob die momentane Jobbeschreibung dies vorsieht. Natürlich steht jedem auch der Weg offen selbst zu gründen und das Unternehmen der Zukunft aufzubauen, in dem alles anders läuft. Zweifelsohne eine spannende und wichtige Aufgabe. Wer soll es machen, wenn nicht all jene, die gegenwärtige Entwicklungen,  Strukturen und Konventionen der Arbeitswelt als unpassend empfinden?