Alles nur Konsum. Ein Lesetipp.

konsum

Mit „Alles nur Konsum“ hat der Kulturwissenschaftler Wolfgang Ullrich ein unterhaltsames Buch zur herrschenden Konsumkultur geschrieben. Das Buch ist  vor kurzem im Berliner Wagenbach Verlag erschienen.

Duschgel, das neben der Körperpflege eine psychotherapeutische Funktion bietet? Nein, das gibt es natürlich nicht. Aber dass Produkte emotional mit Werten und Eigenschaften aufgeladen werden, die über den reinen Gebrauchswert hinausgehen, ist offensichtlich. So empfindet der Konsument Duschgel als Stress abbauend und entspannend.

In seinem neuen Buch richtet Ullrich sich gegen die herkömmliche Konsumkritik angefangen bei Haug über Bolz bis hin zur moderneren Form von Naomi Klein und widerspricht der grundsätzlichen Verdammung des Konsums. Ullrich sieht Waren als Zeichensysteme. Konsumgüter seien Medien, die Botschaften transportieren und im Endeffekt gelesen werden wie ein Buch. Konsum als Kulturtechnik. Jedes Produkt hat neben dem Gebrauchswert einen Fiktionswert. Je mehr der Konsument lernt mit dieser das Produkt begleitende Fantasie umzugehen, desto besser kann er eine Kennerschaft wie etwa in der Kunst entwickeln.

Der im Untertitel stehende Begriff der warenästhetischen Erziehung ist zweifach zu verstehen. Einerseits steht sie für eine Entwicklung zu mehr Souveränität im Zusammenhang mit der Konsumkultur. Andererseits aber beschreibt der Begriff auch die Erziehung des Konsumenten durch die Waren selbst. Produkte liefern Identifikationspotenziale, Codes für den Umgang in sozialen Gruppen und bieten sogar ökologisch-pädagogische Aspekte. Im Kapitel „Gewissenswohlstand“ setzt sich Ullrich mit Bio- und Fairtradeprodukten auseinander, die vor allem von der Konsumentengruppe der so genannten LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) gekauft werden. Es sollte hierbei hinterfragt werden, ob der Kauf solcher „guten“ Produkte wirklich das Ergebnis eines gewachsenen Nachhaltigkeitsbewusstseins ist oder ob sich einkommensstarke „Konsumbürger“ hierbei gegenüber sozial schwächeren Discounteinkäufern abgrenzen. Ullrich sieht hier die Nachfolger des Bildungsbürgertums.

„Alles nur Konsum“ ist ein Buch, das unbedarften Konsumenten wie Konsumkritikern neue Perspektiven auf die Konsumkultur ermöglicht. Wie auch immer das Urteil des Lesers ausfällt, er wird nach der Lektüre mit anderen Augen durch die Warenwelt gehen.